Wandern am anderen Ende der Welt | Grand Canyon, USA

Das mit dem Wandern begleitet mich schon sehr lange, genau wie der Gedanke den Grand Canyon zu sehen, das mitunter aufregendste Naturwunder der Welt. Im September diesen Jahres war es soweit und ich habe im Rahmen einer dreiwöchigen USA-Reise auch den Grand Canyon gesehen. Der erste Blick in die Schlucht auf der südlichen Seite des Canyon, dem South Rim, war unglaublich und die Gänsehaut am ganzen Körper hat mir bewusst werden lassen, dass das einer der beeindruckendsten Augenblicke ist, den ich seit langem erleben durfte. Meine Höhenangst hat mich nicht davon abgehalten zunächst ein wenig in den Canyon rein zu laufen (man soll dort nicht alleine wandern, aber ich war nun mal alleine unterwegs, also hatte ich keine andere Wahl) – zunächst auf dem Bright Angel Trail. Die ersten Schritte haben mir Nerven, Schweißperlen (man könnte es auch als Angstschweiß bezeichnen) und eine gehörige Portion Mut abverlangt. Als ich mich dazu entschlossen hatte an einem Morgen um 7 Uhr bis zum Skeleton Point über den South Kaibab Trail zu wandern, war alle (Höhen)Angst verflogen. Ich lief los, Schritt für Schritt, Stück für Stück und immer mit einem tief in mir liegenden Respekt vor der Höhe, den klimatischen Bedingungen (es war unheimlich heiß) und der Natur. Nach den ersten Schritten auf diesem Trail, die Sonne stieg gerade ein wenig höher, konnte ich die Feudentränen nicht mehr halten. Es war für ein unheimlich bewegender Moment am anderen Ende der Welt in eine tiefe Schlucht zu wandern, trotz meiner (Höhen)Angst, trotz der Panik es könnte irgendwas passieren und trotz dem Gefühl, dass ich vielleicht für diesen großen Schritt nicht bereit bin. Am Ende hat sich jeder Schritt gelohnt und mich als Mensch wieder ein Stück weiter gebracht. Schließlich hat dieser kleine Trail (6 Meilen, 640 Höhenmeter, 4 Stunden) mir mehr gezeigt und mich mehr sehen lassen als diese eine wunderbare Aussicht auf dem Bild: Das Wissen auch schwierige Wege gehen zu können, wenn ich mich nur traue, mir selbst vertraue und den Mut aufbringe über meine Angst hinweg zu sehen bzw. zu gehen. Das bereichert mich heute noch – jeden Tag.

Bild: eigene Aufnahme | South Kaibab Trail, Grand Canyon, Arizona, USA