Bloggen zwischen Kaffee, Zeitung und Wartezeit | 101 Beiträge

Zwischen zwei Flügen sitze ich am Frankfurter Flughafen. Ankunft ca. 7.15 Uhr, die Wartezeit bis zum Anschlussflug beträgt drei Stunden. Mit wenig Schlaf und einem kleinen Kaffee mit Sojamilch, setze ich mich auf die Stühle vor dem A36 Gate und sofort schießt es mir in den Kopf: Darüber könnte ich einen Blogartikel schreiben. Dieser könnte in die Richtung gehen wie ich es schon bei Zugfahrten beschrieben habe: ein mal über die Gelegenheit den Zug zum Wohnzimmer zu machen und ein anderes Mal über Zug fahren an und für sich. Der Artikel könnte die Hektik aufgreifen, die an Flughäfen herrscht, das Gedränge bei den Sicherheitskontrollen und von überteuerten Kaffees und Snacks erzählen, die sich die Fluggäste dennoch kaufen (weil sie es möchten – jetzt und nicht erst in zwei Stunden!), obwohl sie genau wissen, dass sie nahezu den dreifachen Preis dafür bezahlen. Die kulturelle Vielfalt und die Internationalität, die sich sowohl in den gesprochenen Sprachen, als auch in der Kleidung und der Attitude der Pendler, Reisenden und Geschäftsmenschen wiederspiegelt, könnte in meine Beobachtungen am Flughafen mit einfließen. Ein philosophischer Blick auf die Vergänglichkeit des Augenblicks, die Raum und Zeit mit sich bringen und der Betrachtung des Hier und Jetzt, die Ruhe, die Wartezeit inne hat und in nicht einmal mehr zwei Stunden bis zum Boarding, würde ich zu dem Schluss kommen, dass Zeit doch nur eine Zahl ist, sie vergeht und wir nichts dagegen unternehmen können und mit der Betrachtung ihrer Kostbarkeit jeder Moment, den wir erleben, eine Bedeutung zukommt, die wir wie den überteuerten Kaffee am Flughafen bewusst wahrnehmen und genießen. So oder so ähnlich könnte der Artikel aussehen, den ich schreibe. Könnte. Als ich den Blog öffne um mit dem Schreiben anzufangen, sehe ich, dass es schon einhundert Artikel sind, die ich seit Januar verfasst habe und fange an darüber nachzudenken, wie viel Zeit, Mühe und Energie ich wohl schon in den Blog gesteckt habe, wie viel ich davon (oder sogar noch mehr) zurück bekommen habe und werde mir der Tatsache bewusst, dass ich lange gebraucht habe, um zu verstehen, dass es beim Bloggen Dinge gibt, die ich nicht planen kann. Vor fünf Tagen saß ich am Flughafen und hätte gerne den Artikel (den Du jetzt liest) geschrieben, damit ich ihn Donnerstag publizieren kann. Das Leben, das Business und am Ende auch ich selbst, haben verhindert, dass ein Artikel mit drei Zeilen in meinem Blog landet. Fünf Tage später sitze ich gemütlich an einer der Lade-/Business-/Laptop-Stationen am Flughafen in Barcelona und nehme mir die Zeit, den Artikel fertig zu schreiben. Mal wieder wird er etwas anders als ich ihn mir vorgestellt habe, mal wieder fließen die Worte wie ein rauschender Gebirgsbach über die Tasten in den Entwurf, mal wieder habe ich das Gefühl, dass mir ohne das Bloggen tatsächlich etwas fehlen würde. Und während ich so darüber nachdenke, dass es mit eine der besten Entscheidungen im letzten Jahr war, wünsche ich mir einen überteuerten Kaffee, den ich genießen möchte, während ich den Beitrag publiziere, verbreite und dabei angenehm zufrieden feststellen kann, dass ich auch mal eine Woche vertrage, in der eben nur ein Blogbeitrag erscheint.