Ruhepol

Wenn ich draußen in der Natur spazieren gehe, nehme ich gerne alles um mich herum wahr und lasse die Schönheit der Dinge in mich einfließen. Für manche ist dieses grüne Blatt nur irgendein Blatt an einem Baum. Für mich ist es ein Ruhepol, den ich immer wieder gern betrachte und natürlich fotografiere. Es sind Grüntöne, feine Nuancen, die ineinander verfließen und durch die  Sonne an manchen Stellen schon fast ins Gelbliche am Rand und an den dünneren Stellen gehen. Es sind keine Adern, die durch das Blatt laufen, sondern Linien die miteinander verbunden ein wunderbares Bild ergeben. Im Grunde ist es kein Blatt, sondern ein Farbenspiel mit Akzenten und grafischen Elementen. Im Grunde ist es mehr als das was wir wahrnehmen, es ist Ruhe und Ausgeglichenheit in seiner Urform. Wer die Möglichkeit hat, genau das aus einem einzigen Blatt mitzunehmen, hat auch verstanden, warum der Weg in die Natur für andere Menschen (u.a. für mich) so unheimlich bereichernd ist.

 

gefiltert

Wie durch einen Filter. Ausgefiltert.

Manchmal passiert es und ich suche stundenlang nach einem Motiv. Auch wenn fast alles als Motiv dienen könnte: der Steg am See, die Blumen auf der Wiese, die Brücke über den Fluss. Und es passiert trotzdem nichts. Ich habe nicht das Bedürfnis die Kamera auszupacken und zu fotografieren. Eine Fotografieblockade.

So ging es mir letzten Sonntag. Trotz schöner Motive, die ich gesehen hatte, war mir nicht danach sie zu fotografieren. Schon wieder auf dem Rückweg mit dem Fahrrad nach Hause, sehe ich einen abgebrochenen Baumstamm, der hangabwärts Richtung Wasser liegt. Insgesamt sehr gerade, sodass ich das Fahrrad geparkt und auf ihm Platz genommen habe. Nach einigen Schüssen mit der improvisierten Technik, die ich mittlerweile sehr gerne anwende, fand ich die Stimmung zwar unglaublich schön, aber ich wollte mehr. Also hab ich mir zum Spaß meine Sonnenbrille geschnappt und sie vor die Linse gehalten: In der einen Hand die Sonnenbrille, in der anderen die Kamera und von oben mein Blick, dass die Position von beidem auch stimmt.

baumstamm

Es ist wirklich unglaublich wie ein einziger Tag durch so etwas aufgewertet wird. Das sind die Momente, in denen ich mir wünsche, dass es Menschen gibt, die das gleiche fühlen, die gleiche Freude, die gleiche Zufriedenheit, das gleiche Glück, wenn sie eine Kamera in der Hand haben. Ob mit oder ohne Filter.

holz_mit_filter

Frühlingserwachen

Es ist Frühling und die ersten Blüten kommen raus, dazu Sonntag und die Sonne scheint mir angenehm ins Gesicht. Genauso wie der kleinen Ameise. Sie ist so klein und winzig, dass ich sie kaum auf dem Ast ausmachen, aber groß genug, dass ich sie sehen kann. Die Linse nah an ihr dran, fange ich an zu fotografieren.

Model: Ameise.

Winter trifft Frühling

Nach Gefühl fotografieren.

Der Vorteil oder Nachteil (je nachdem wie man es nimmt), wenn ich die Kamera dabei habe ist, dass ich nicht ‚blind‘ durch den Wald oder die Straßen laufe, sondern alles wie durch eine Linse sehe, die jegliche Dinge um mich herum als ein mögliches Motiv wahrnimmt. Als ich im Winter mal wieder draußen spazieren war, habe ich diesen grünen Moosfleck zwischen dem ganzen Schnee und Eis auf dem Weg ausmachen können. Auf dem Weg bedeutet unten, zu meinen Füßen, auf dem Boden. Von oben fotografieren kommt nicht infrage, von weit weg auch nicht und den Bildschirm auf der Rückseite benutzen ist ungeschickt, weil dann der Autofokus (den ich nicht so mag) anspringt, sodass gezieltes Fokussieren nicht möglich ist.

Da stand ich also und grübelte, wie ich das Bild ohne jegliche Verluste hinbekomme. Schließlich habe ich mich für eine Variante entschieden, bei der ich nicht durch das Okular schaue, sondern die Kamera, sehr nah am Objekt, dicht über dem Boden halte, nachdem ich das passende Fokusfeld ausgewählt habe, und nach Gefühl den Auslöser drücke.