Füße zu groß oder Schuhe zu klein?: Wenn der Blog nicht mehr passt | PLUS: Lösungsvorschläge

Es kneift mich wie ein falsch geschnittenes Kleid, dessen Nähte sich unangenehm in meine Haut graben. Der Stoff kratzt. Es fällt nicht schön. Es passt einfach nicht. Zu dem Kleid trage ich Schuhe, die etwas zu klein ausfallen oder sind etwa meine Füße gewachsen?

Seit einem dreiviertel Jahr überlege ich schon was mich an meinem Blog stört. Alles fing mit der Reise in die USA an. Davor und besonders kurz danach hatte ich das Gefühl, dass der Blog nicht mehr zu mir passt und habe es mit einer Namensänderung versucht. Etwas vergeblich, aber hätte ja funktionieren können. Grundproblematik: Mein Interessenspektrum ist einfach zu groß!

Nun, ein halbes Jahr nach der Namensänderung, hat sich in meinem Kopf ein neues Konzept entwickelt. Es ist in aller Ruhe gewachsen, hat Hand und Fuß, einen roten Faden und liegt mir sehr am Herzen. Es ist ein umfangreiches Projekt, das sich gut ausbauen lässt und mir schon jetzt im Aufbau unheimlich Freude macht. Hauptthemen sind: Natur, Nachhaltigkeit und Fotografie. Wenn der Blog online geht, gebe ich natürlich Bescheid und würde mich freuen Dich bei meinem Herzensprojekt wiederzusehen 🙂
Je nach Lust und Laune veröffentliche ich sporadisch auch hier eventuell noch Artikel.

Da Du dir natürlich aus diesem Artikel auch noch was mitnehmen solltest, anbei ein kleiner Fragenkatalog mit Lösungsvorschlägen, wenn Du auch das Gefühl hast, dass Dein Blog nicht mehr zu Dir passt:

  1. BLOGTHEMA
    Hast Du das Gefühl, dass Dein Blogthema nicht mehr zu Dir passt? Lösungsvorschlag: Erstelle neue Kategorien (Archiviere was Dir nicht mehr passt: Kategorie Archiv, Ablage, Alte Artikel) oder erstelle einen neuen Blog (wenn Du alles anders machen möchtest).
  2. BLOGNAME
    Du hast Dir zu Beginn einen Namen ausgesucht, der nicht mehr zu Dir oder Deinem Blog passt?
    Lösungsvorschlag: Bei WordPress kannst Du einfach den Namen ändern. Wie das geht findest Du hier. Falls Du bei der Namensfindung Schwierigkeiten hast, überlege was der Blog transportieren soll und mache ein Brainstorming. Ergänzend kannst Du auch Artikel zu dem Thema finden (z.B. Blogkiste). Eine gute Grundüberlegung ist: Ist der Blog eher persönlich oder unterhaltend/informativ? Persönlich: Binde Deinen Namen mit ein. Unterhaltend/informativ: Finde eine kurze, knackige Umschreibung/Assoziation.
  3. BLOGARTIKEL
    Dir fällt es aktuell schwer Artikel zu schreiben?
    Lösungsvorschlag: Überlege was der Grund sein könnte. Vielleicht brauchst Du nur eine Blogpause oder etwas Inspiration von außen. Unterhalte Dich mit anderen Bloggern oder besuche andere Blogs und lass Dich inspirieren.
  4. BLOGLOOK
    Dir gefällt der Look Deines Blogs nicht mehr oder Du möchtest ein anderes Design ausprobieren?
    Lösungsvorschlag: WordPress bietet sehr viele (auch kostenfreie) Themes, die Du ausprobieren und schließlich aktivieren kannst. Zuvor solltest Du von Deinem Blog ein Backup erstellen, dass Du keine Daten verlierst (bei WordPress: Verwalten > Daten exportieren). Merke: Bei einem Themewechsel stehen dir erst nach der Aktivierung alle Funktionen des Themes zur Verfügung.
  5. BLOGINHALT
    Du hast frisch angefangen zu bloggen, weißt noch nicht so richtig in welche Richtung es gehen soll und Du fühlst Dich etwas planlos?
    Lösungsvorschlag: Blättere durch Deine Artikel und schaue welche Artikel thematisch zusammenpassen. Kategorien sind an dieser Stelle das A und O. Falls Du Schwierigkeiten hast Kategorien zu finden, halte sie allgemein (z.B. für alles rund ums Basteln und Handwerken: handgemacht, Wolle & Papier, verbastelt, (mit) Kleber und Nadel). Auch ist es möglich ganz allgemeine Oberkategorien zu erstellen und das Thema in weitere Kategorien aufzuschlüsseln (z.B. Oberkategorie: bewusst leben, Unterkategorien: Ernährung, Fit im Alltag, Yoga für Anfänger, Achtsamkeit im Job,…).
  6. BLOGLOGO
    Dein Bloglogo findest Du mittlerweile doof?
    Lösungsvorschlag: Versuche die Schrift zu ändern oder füge ein kleines Icon (kleines Symbol, dass thematisch zu Deinem Blognamen passt) hinzu. Manchmal kann auch schon der Wechsel von Klein- auf Großschreibung bei Deinem Blognamen genügen. Bei großen Blogs (viele Follower, mit Kooperation,…) ist es wie bei Unternehmen: Durch den Logowechsel sollte die Wiedererkennung gegeben sein, also keine zu großen Veränderungen am Logodesign. Falls das nicht möglich ist, plane einen kompletten Relaunch mit neuem Look (siehe BLOGLOOK) und hoffe, dass das neue Design gut angenommen wird. Große Designänderungen stellen immer ein Risiko dar, aber Du solltest Dich auch mit Deinem Blog wohlfühlen.

Nun verabschiede ich mich erst mal auf unbestimmte Zeit und wünsche Dir von Herzen ganz viel Freude beim Bloggen und Blogs lesen. Falls Du Fragen hast, kannst Du dich jederzeit über das Kontaktformular bei mir melden. Ich helfe Dir gerne weiter.

Alles Liebe und bleib gespannt auf meinen neuen Blog ♥ Caro

Die Kunst des Bloggens: 7 Tipps zum Thema Bloggen

Manchmal habe ich ein Thema im Kopf, manchmal sprühe ich vor Kreativität und Ideen, manchmal ist mein Bloggerhirn aus und es ist einfach still – so wie jetzt. Die Gedanken zum neuen Beitrag kreisen zwar als Fetzen in meinem Kopf herum und ich weiß genau wie der Beitrag werden soll oder zumindest was ich damit transportieren oder welche Gedanken ich darin verpacken möchte, aber ich schaffe es nicht den Artikel zu schreiben. Es herrscht gähnende Leere in meinem Bloggerkopf und ich sehne mich geradezu nach dieser Ruhe, den seltenen Momenten in denen ich mal nicht über den nächsten Artikel nachdenke. So sehr ich das Bloggen liebe, weil es ein großartiger und bereichernder Bestandteil meines Lebens geworden ist, den ich nicht mehr missen möchte, so sehr wünsche ich mir manchmal, dass ich nicht jede kleinste Inspiration, Idee oder jeden Gedanken mental in einen Blogartikel umwandle. Zeitweise käme dabei absoluter Mist raus, ab und an braucht ein Thema Zeit um zu reifen und des öfteren verwerfe ich Ideen, wenn ich nicht wirklich weiter komme. Doch wie schaffe ich es Wichtiges von Unwichtigem zu trennen um meinen Anspruch zu erfüllen? Den Anspruch, dass der Blogartikel in irgendeiner Weise Substanz hat, Mehrwert bietet oder zumindest wortgewandt, provokant, inspirierend und/oder eine angenehme (manchmal geradezu therapeutische) Nebenwirkung hat. Ein Patentrezept dafür gibt es wohl kaum. Aber einige Grundgedanken oder Fragen helfen mir (und vielleicht auch Dir), dass ich nicht aus jeder kleinsten Mücke ein ausschweifendes, wortgewaltiges Orchester von Sätzen produziere, die am Ende keine Melodie ergeben. Meine Gedanken dazu habe ich Dir (vorerst) in sieben Tipps zum Thema Bloggen zusammen gefasst.

Eine kleine Anleitung für Blogartikel

  1. THEMA: Du hast ein Thema das Dich beschäftigt? Schreibe darüber und reichere es mit Beispielen, interessanten Situationen oder ursprünglichen (Grund)Gedanken an. Berufe Dich hierbei ggf. auf andere Artikel, eigene Erlebnisse oder eigene Recherchen.
  2. PROBLEME MIT LÖSUNG: Du hast etwas auf dem Herzen? Versuche Empathie herzustellen und zeige eigene Lösungswege auf. Wo ein Problem ist gibt es auch meist eine Lösung.
  3. ROTER FADEN: Du denkst Dein Thema ist eventuell etwas sinnfrei und ohne wirklichen roten Faden? Finde eine passende Analogie oder eine komische Situation, die das Thema in eine runde Sache verwandelt.
  4. UNWOHLSEIN BEIM SCHREIBEN: Du hast Angst über ein für Dich wichtiges Thema zu schreiben oder fühlst Dich beim Schreiben des Artikels unwohl? Lass es oder lass es zumindest eine Weile liegen. Dann bist Du noch nicht soweit das Thema aufzugreifen oder die Gedanken dazu müssen noch etwas reifen.
  5. EINSTIEG: Du findest ein supertolles Thema und bist mehr als motiviert einen Artikel zu verfassen aber findest keinen passenden Anfang? Schreibe es genau so. Absolute Ahnungslosigkeit wie Du mit dem Artikel zu Thema XY beginnen sollst ist besser als die gezwungen schön klingende Worte aus dem Allerwertestes zu ziehen, die sich dann genau so anhören als hättest Du sie daher.
  6. VIELE IDEEN: Du weißt vor lauter tollen Ideen oder Themen gar nicht mehr wo Dir der Kopf steht? Mach Dir eine Liste mit Deinen Ideen und schreibe darüber wie Dir danach ist.
  7. EINFACH SCHREIBEN: Dir geht es wie mir gerade und Du merkst dass Dein Artikel noch Zeit braucht um zu reifen, Du möchtest aber dennoch etwas schreiben, weil Du Lust dazu hast? Krame ein Thema aus Deinem übergroßen Topf mit Ideen und beginne einen Artikel darüber zu schreiben.

Sieben Tipps und ich bin noch lange nicht am Ende. Mal sehen wann der nächste Artikel zum Thema Bloggen einen Weg auf meinen Blog findet 🙂 Was noch alles wichtig sein könnte, findest Du bei diesen Tipps rund ums Bloggen.

Du hast Fragen oder möchtest generell etwas über das Bloggen wissen?
Schreibe mir – ich helfe gerne weiter!

Herzlichst ♥ Caro

Bloggen: Von dem perfekten Einstieg in einen Blogbeitrag, einer Angststörung und Shakshuka

Nicht selten denke ich nachdem ich einen Blogbeitrag veröffentlicht habe: Oh man, das wäre ein perfekter Einstieg in das Thema gewesen ODER Wenn ich doch nur so angefangen hätte. Hätte. Ein doofer Konjunktiv, der nur die Selbstkritik zum Vorschein bringt, die ich wohl ständig mit mir herum trage wie ein leidiges Accessoire, das zu meiner Jeans passt. Bei Blogartikel-Titeln ist es ähnlich. Ich schreibe aus dem Bauch raus und werfe dann scheinbar passende Fetzen oben drüber und im Nachhinein wären andere Fetzen viel geeigneter gewesen. Im Normalfall ärgert mich das nur kurz und ich sage mir: Das nächste Mal mache ich es besser. Beim Thema Angst bzw. Angststörung habe ich gefühlt Titel und Einstieg verkackt. Der Begriff Angststörung hätte mindestens im Titel auftauchen müssen und nach der Veröffentlichung ist mir eine Situation eingefallen, die damals unheimlich einschneidend war und ziemlich passend für den Anfang gewesen wäre:

Sie sitzt mit einer guten Freundin draußen bei einem Bäcker in der Innenstadt. Der Hunger in ihrer Magengrube lässt sie an die reich bestückte Theke fünf Meter entfernt denken. Sie sitzt da. Wie gelähmt. Die einzigen Worte, die sie in diesem Moment hervorbringt: Ich habe Angst mir eine Brezel zu kaufen. Was sie in diesem Moment noch nicht weiß ist, dass sie an einer Angststörung leidet.

Der andere Einstieg zum Thema Angst und Angststörung war auch gut und wurde genau auf diese Weise erlebt, aber die Situation beim Bäcker hätte diese Art der Störung wohl noch ein wenig besser getroffen, insbesondere weil diese Situation für normale Menschen nicht nachvollziehbar ist. Für mich heute auch nicht mehr. Damals vor gut drei Jahren war das mein Lebensalltag. Heute sieht er anders aus. Wie ich nun den Bogen zu Shakshuka schlage? Schwierig, aber ich versuche es mal mit einem guten Einstieg in einen Blogbeitrag 😉

Als ich zum ersten Mal von dem Gericht Shakshuka gehört habe, dachte ich: Waaaaas??? Wie heißt das? Ich konnte mir den Namen nicht behalten, aber sehr wohl die Zutaten und wie es zubereitet wird. Ein Phänomen bei mir was besonders Rezepte und Essen im Allgemeinen betrifft. Beim Zuhören hatte ich schon (wieder) Hunger und konnte es kaum erwarten das endlich selbst zu kochen (so als Alternative zum meinem Salat mittags oder als Frühstück am Wochenende). Bei dem Gericht handelt es sich um eine nordafrikanische und israelische Spezialität, die besonders in Kombination mit Fladenbrot himmlisch schmecken soll. Ich habe es dann auf meine Art gekocht und auch gegessen. Da ich momentan versuche weitestgehend auf Gluten zu verzichten, gab es mein Shakshuka ohne Brot und ohne Chilischoten (scharf ist nicht so meins) pur auf den Teller und es war trotzdem himmlisch.

Zutaten
1 rote Paprika
2 Tomaten
1/2 rote Zwiebel
1 Zehe Knoblauch
etwas italienische Kräuter (TK)
Salz
Olivenöl
2 Eier

Zubereitung
Zwiebeln und Knoblauch auf kleiner Stufe in einer beschichteten Pfanne und mit Olivenöl andünsten. Paprika und Tomaten klein schneiden und mit noch mehr Olivenöl anbraten. Deckel drauf und auf kleiner Stufe anbraten. An dieser Stelle immer schauen, dass genügend Flüssigkeit in der Pfanne ist. Zur Not etwas Wasser oder noch mehr Olivenöl dazugeben. Nach 10-15 Minuten mit Kräutern und Salz würzen. Nochmal etwas ziehen lassen. Zum Schluss zwei Eier darüber geben (direkt über der Pfanne aufschlagen). Im Grunde wären es pochierte Eier. Bei mir war es ein Mix aus pochierten Eiern und Spiegelei. Die Pfanne kann, nachdem die Eier durch sind, auf ein Holzbrett direkt auf den Esstisch gestellt werden. Nach Belieben entweder pur oder mit Fladenbrot genießen. Beides ist superlecker!

PS: Der rote Faden zum Thema heute? Es gibt keinen erkennbaren, aber ich hatte keine Angst die Zutaten für das Shakshuka im Supermarkt einzukaufen 🙂

Über ungeschriebene Blogartikel und unfertige Handstulpen | Selbsterwartung

Gestern wollte ich in aller Ruhe einen Blogartikel schreiben – über nicht geschriebene Artikel, die ich aber noch schreiben wollte: Über nahrhafte Gerichte für die Mittagspause (ich wollte auch mal eine neue Kategorie dafür aufmachen), über Selbstoptimierung, über selbst gestrickte Handstulpen (den Artikel gibt es noch nicht mal, aber ich wollte darüber schreiben wie ich dazu kam und welche Schwierigkeiten ich mit den fünf Nadeln hatte). Und genau wie die Artikel bleiben auch mal andere Sachen einfach liegen. Eine Handstulpe habe ich gestrickt (daher stammt das Bild), die andere ist noch in den Anfängen. Ob ich sie diesen Winter noch tragen kann weiß ich nicht, aber das hat mir gezeigt, das Stricken komplexer sein kann als nur Masche um Masche abzuwerfen. Das alles und das Wissen, dass ich gestern schon den Artikel schreiben wollte, hat mich zu dem Thema Selbsterwartung geführt, die Erwartungshaltung, die ich an mich als Mensch habe. Also habe ich mal wieder gegoogelt (ausschließlich um eine schöne Definition von Selbsterwartung zu finden) und stieß auf Artikel über Selbstwirksamkeitserwartung, bei der es darum geht als Mensch „aufgrund eigener Kompetenzen gewünschte Handlungen erfolgreich selbst ausführen zu können“. Ein Mensch der eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung besitzt – so die Annahme -, kann „gezielt Einfluss auf die Dinge und die Welt nehmen (internaler locus-of-control, siehe Kontrollüberzeugung), statt äußere Umstände, andere Personen, Zufall, Glück und andere unkontrollierbare Faktoren als ursächlich anzusehen“. Der nächste Artikel zum Thema Selbsterwartung beschäftigt sich mit der Psychologie des Gewinnens und begegnet der Thematik Selbsterwartung mit einem leicht selbsttherapeutischen Ansatz, welcher in einer Anleitung zum positiven Denken – mit einigen Tipps – mündet. An dieser Stelle wünsche ich mir manchmal, weniger zu googeln und vorher besser mein eigenes Hirn anzuschmeißen, was ich nun trotz der überaus ausführlichen Definitionen versuche.

Selbsterwartung (eine persönliche Definition)
Das Thema Erwartungen hat mich schon letztes Jahr ein wenig begleitet. Als ich es dann gestern wieder nicht geschafft habe einen Blogartikel über angedachte Themen zu verfassen, wollte ich das heute machen, was mich zum Thema Selbsterwartung geführt hat, also die Erwartung, die ich an mich selbst habe. Hierbei gilt es zu hinterfragen: Was möchte ich erreichen? Wo liegen meine Ziele? Welche Ziele habe ich und welche Erwartung stelle ich dahingehend an mich selbst? Die Definition von Selbsterwartung kummuliert in Fragen, die man sich stellen kann, wenn das Thema Selbsterwartung aufkommt. Diese gilt es für sich selbst zu beantworten, ohne Definition, ohne Hilfestellung, ganz allein für sich – frei von Perfektion, frei von Anforderungen, die Du an Dich für gewöhnlich stellst, geradewegs aus dem Bauch raus – ehrlich und aus Deiner Mitte.

Um zu den unfertigen Artikeln und den unfertigen Handstulpen zurückzukommen: Ich selbst erwarte manchmal ein wenig zu viel von mir und möchte mehr in meinen Alltag unterbringen als es möglich ist (er hat nun mal nicht 48 Stunden, sondern nur 24), deshalb ist meine Erwartungshaltung an mich selbst eine Haltung, die weniger an Erwartungen und mehr an meine persönliche Entfaltung geknüpft ist. Damit entspricht das weniger einer Erwartungshaltung als mehr einer wohlwollenden Achtsamkeit, mit der ich mir jeden Tag begegne, mir den Raum und die Zeit gebe, welche ich brauche, um nicht zuletzt doch wieder die angestrickte Handstulpe in die Hand zu nehmen, weil es sich mit zwei weniger friert als mit einer bei minus 3 Grad, auch im nächsten Winter 😉

Erwartest Du auch manchmal zu viel von Dir? Wie gehst Du damit um?

Bloggen zwischen Kaffee, Zeitung und Wartezeit | 101 Beiträge

Zwischen zwei Flügen sitze ich am Frankfurter Flughafen. Ankunft ca. 7.15 Uhr, die Wartezeit bis zum Anschlussflug beträgt drei Stunden. Mit wenig Schlaf und einem kleinen Kaffee mit Sojamilch, setze ich mich auf die Stühle vor dem A36 Gate und sofort schießt es mir in den Kopf: Darüber könnte ich einen Blogartikel schreiben. Dieser könnte in die Richtung gehen wie ich es schon bei Zugfahrten beschrieben habe: ein mal über die Gelegenheit den Zug zum Wohnzimmer zu machen und ein anderes Mal über Zug fahren an und für sich. Der Artikel könnte die Hektik aufgreifen, die an Flughäfen herrscht, das Gedränge bei den Sicherheitskontrollen und von überteuerten Kaffees und Snacks erzählen, die sich die Fluggäste dennoch kaufen (weil sie es möchten – jetzt und nicht erst in zwei Stunden!), obwohl sie genau wissen, dass sie nahezu den dreifachen Preis dafür bezahlen. Die kulturelle Vielfalt und die Internationalität, die sich sowohl in den gesprochenen Sprachen, als auch in der Kleidung und der Attitude der Pendler, Reisenden und Geschäftsmenschen wiederspiegelt, könnte in meine Beobachtungen am Flughafen mit einfließen. Ein philosophischer Blick auf die Vergänglichkeit des Augenblicks, die Raum und Zeit mit sich bringen und der Betrachtung des Hier und Jetzt, die Ruhe, die Wartezeit inne hat und in nicht einmal mehr zwei Stunden bis zum Boarding, würde ich zu dem Schluss kommen, dass Zeit doch nur eine Zahl ist, sie vergeht und wir nichts dagegen unternehmen können und mit der Betrachtung ihrer Kostbarkeit jeder Moment, den wir erleben, eine Bedeutung zukommt, die wir wie den überteuerten Kaffee am Flughafen bewusst wahrnehmen und genießen. So oder so ähnlich könnte der Artikel aussehen, den ich schreibe. Könnte. Als ich den Blog öffne um mit dem Schreiben anzufangen, sehe ich, dass es schon einhundert Artikel sind, die ich seit Januar verfasst habe und fange an darüber nachzudenken, wie viel Zeit, Mühe und Energie ich wohl schon in den Blog gesteckt habe, wie viel ich davon (oder sogar noch mehr) zurück bekommen habe und werde mir der Tatsache bewusst, dass ich lange gebraucht habe, um zu verstehen, dass es beim Bloggen Dinge gibt, die ich nicht planen kann. Vor fünf Tagen saß ich am Flughafen und hätte gerne den Artikel (den Du jetzt liest) geschrieben, damit ich ihn Donnerstag publizieren kann. Das Leben, das Business und am Ende auch ich selbst, haben verhindert, dass ein Artikel mit drei Zeilen in meinem Blog landet. Fünf Tage später sitze ich gemütlich an einer der Lade-/Business-/Laptop-Stationen am Flughafen in Barcelona und nehme mir die Zeit, den Artikel fertig zu schreiben. Mal wieder wird er etwas anders als ich ihn mir vorgestellt habe, mal wieder fließen die Worte wie ein rauschender Gebirgsbach über die Tasten in den Entwurf, mal wieder habe ich das Gefühl, dass mir ohne das Bloggen tatsächlich etwas fehlen würde. Und während ich so darüber nachdenke, dass es mit eine der besten Entscheidungen im letzten Jahr war, wünsche ich mir einen überteuerten Kaffee, den ich genießen möchte, während ich den Beitrag publiziere, verbreite und dabei angenehm zufrieden feststellen kann, dass ich auch mal eine Woche vertrage, in der eben nur ein Blogbeitrag erscheint.

Imperfektion: Von der nicht perfekten Perfektion

Eigentlich wollte ich endlich den Artikel über Selbstoptimierung schreiben und tolle Tipps geben, wie man selbst an sich arbeiten kann ohne sich von Grund auf zu verändern oder sich anderweitig verbiegen zu müssen. Eigentlich. Eigentlich ist eigentlich kein Wort und dieser Artikel wird auch nicht von Selbstoptimierung handeln, zumindest nicht in dem Maße in dem ich es mir vorgestellt habe.

Im Idealfall erreiche ich meine Ziele – die kleinen in jedem Fall – und die großen können sich immer noch ändern, bevor ich sie erreiche und dann sind es andere Ziele oder leicht veränderte, in jedem Fall nicht mehr die, die es vorher einmal waren. Da bin ich auch schon an dem Punkt: Ziele.
Ziele finde ich unheimlich wichtig. Von persönlichen bis hin zu allgemeinen Zielen (wie zum Beispiel dem Klimawandel entgegen zu wirken oder nachhaltiger zu leben) und auch kleinen Zielen wie ein leckeres Mittagessen zu kochen. Ziele treiben an. Ziele motivieren. Ziele sind essentiell, um vorwärts zu kommen, denn stehen bleiben ist keine Option! Aber ist es wirklich keine Option oder kann abwarten, durchatmen, still stehen nicht auch mal genau das Richtige sein oder sogar ein Ziel, dem wir nicht hinterher hetzen als hätten wir keine Zeit für nichts? Und was wäre, wenn das wirklich das Ziel wäre? Wären wir in dem Moment weniger perfekt, weil wir mal nichts bewegen, weil wir mal nicht einer Tätigkeit nachgehen, weil wir mal nicht angetrieben werden oder uns selbst antreiben?

Was ist schon perfekt?

Nur weil ich seit dem ersten Absatz das Wort eigentlich (was im Grunde eben kein Wort ist laut einigen/vielen Menschen) nicht mehr verwendet habe oder weil ich tatsächlich der Meinung bin mit meiner Rede über Ziele einen Soll zu erfüllen, indem ich betone, dass ich sie mag oder weil ich gerade durch das Eingestehen nicht immer von ihnen getrieben sein zu müssen/wollen auch mal entspannen kann? Vielleicht ist gerade diese sich einschleichende und nicht eindeutig erkennbare imperfekte Perfektion, die sich zum Thema Ziele breit macht und mich einhüllt wie einen schützenden Mantel genau die Art, die es an dieser Stelle und zum Thema braucht? Thema? Ja, welchem Thema eigentlich? Vielleicht das Thema Imperfektion? Vielleicht das Thema Ziele? Vielleicht aber auch das Thema ‚Wie verfasse ich einen nicht perfekten und halbfertigen Blogartikel und traue mich diesen zu veröffentlichen‘? Vielleicht auch indirekt zum Thema Mut? Vielleicht auch ganz am Rande ein paar Worte zu mir als Bloggerin, die auf ihrem sich selbstoptimierenden Weg nicht zu perfektionistisch sein möchte?

Helft mir gerne weiter, aber zunächst einmal ein großes Dankeschön an die nicht perfekte Perfektion!

Herzlichst & voller Imperfektion ♥ Caro

Foto: Hannah Träum Weiter